Gebärdensprache

RedakteurIn: Gerald Perfler
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Um nicht sprachlos zu sein, wenn es einem nicht möglich ist, sich mittels Sprache in Form von Tönen und Worten auszudrücken, entwickelte sich die Gebärdensprache. Damit wurde eine Kommunikationsmöglichkeit für jene Personen geschaffen, die sich nicht mittels Tönen und gesprochenen Wörtern verständigen können. Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über einige Aspekte rund um die Gebärdensprache gegeben werden.

Geschichte der Gebärdensprache

Überall dort, wo gehörlose Personen gelebt haben, wird sich eine Art von Gebärdensprache entwickelt haben, die es den betreffenden Personen ermöglichte, sich zu verständigen. Dies waren, wenn man so will, die ersten Formen einer Gebärdensprache. Die Entwicklung einheitlicher Gebärdensprachen begann allerdings erst im 18. Jahrhundert, als daran gedacht wurde, auch gehörlosen Kindern mittels Gebärdensprache den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Die erste öffentliche Schule für gehörlose Kinder wurde 1755 in Paris gegründet (Unterricht für gehörlose adelige Kinder gab es bereits wesentlich länger). Im 19. Jahrhundert begann sich die Ansicht zu verbreiten, dass die Gebärdensprache minderwertig sei und man versuchte gehörlosen Kindern Sprechen beizubringen. Letztendlich wurde das Unterrichten von Gebärdensprache in vielen Staaten verboten. Es dauerte teilweise bis zum Ende des 20. Jahrhunderts (in Frankreich etwa bis 1991), dass das Verbot des Unterrichts in Gebärdensprache wieder aufgehoben wurde.

Eine oder mehrere?

Auch wenn es vielleicht naheliegend ist, dass es nur eine Gebärdensprache geben könnte, gibt es dennoch in der Gebärdensprache so wie in der gesprochenen Sprache zahlreiche unterschiedliche Sprachen und sogar Dialekte. Man geht derzeit davon aus, dass es weltweit über 100 Gebärdensprachen und dazu noch zahlreiche weitere Dialekte gibt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich regional unterschiedliche Gebärden herausgebildet haben. In Österreich wird die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) gesprochen, die wie die meisten Gebärdensprachen Kontinentaleurops zur französischen Gebärdensprachenfamilie gehört. Diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass in Kontinentaleuropa eine Verständigung Gehörloser untereinander trotz unterschiedlicher Gebärdensprachen einigermaßen möglich ist. Zur internationalen Verständigung werden die American Sign Language (ASL), die British Sign Language (BSL) oder die International Sign Language verwendet. Für die Kommunikation zwischen hörenden und gehörlosen Personen gibt es Dolmetscher.

Gebärdensprache als gleichberechtigte Sprache

In Österreich besitzt die Gebärdensprache den Status einer Minderheitensprache, was auch in der Verfassung verankert ist. Zur Gleichberechtigung fehlen würde etwa noch die Anerkennung der Gebärdensprache als Unterrichtssprache und als Muttersprache, was ein Recht auf Unterricht in Gebärdensprache bedeuten würde. Es gibt zwar einige Schulen, die in Gebärdensprache unterrichten, aber es besteht derzeit kein rechtlicher Anspruch von gehörlosen Kindern auf Unterricht in Gebärdensprache.

Funktionsweise der Gebärdensprache

Gebärdensprache besteht nicht nur aus den mit den Händen geformten Gebärden. Diese Gebärden stellen nur den Inhalt dessen dar, was ausgedrückt werden soll. Mindestens genauso bedeutend sind die Bewegungen des Oberkörpers und die Gesichtsmimik. Denn die Grammatik wird beispielsweise hauptsächlich über die Gesichtsmimik vermittelt. Dies ist auch der Grund, warum bei Fernsehsendungen, in denen Dolmetscher für Gebärdensprache eingeblendet werden, nicht nur deren Hände sondern der gesamte Oberkörper zu sehen ist. Es gibt auch eigene Alphabete für die einzelnen Gebärdensprachen.

Gebärdenschrift

Trotz einiger Anläufe ist es bisher nicht gelungen eine praktikable Schrift für die Gebärdensprache zu entwickeln, was aufgrund der Komplexität der Sprache - es wären ja Handhaltung, Zeichen, Handbewegung, Mimik und Körperbewegung zu berücksichtigen und in ein einzelnes Zeichen zu übersetzen - nicht verwunderlich ist.

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Datum: Di. 10.12.2019