Die Zeitung von morgen - gedruckt oder online?

RedakteurIn: Gerald Perfler
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Immer mehr Bereiche unseres Lebens sehen sich durch den technologischen Fortschritt neuen Herausforderungen gegenüber. Einige Bereiche passen sich diesen Herausforderungen an und erfinden sich nach einigen Anpassungen ganz neu (siehe die Weiterentwicklung der Mobiltelefone zu Smartphones) und einige schaffen dies eben nicht und werden durch neue Bereiche ersetzt (etwa die Telegrafie, die durch SMS, e-Mail u.ä. ersetzt wurde). Wie sieht dies im Rahmen der Informationsgewinnung aus? Welche Herausforderungen kommen da zum Beispiel auf die Zeitungsverlage zu und was ändert sich für die_den Leser_in?

Entwicklung der gedruckten Tageszeitungen:

Waren Tageszeitungen - und ich meine jene in gedruckter From, die morgens meist mehr oder weniger pünktlich vor der eigenen Tür zu finden waren - bis vor noch gar nicht so langer Zeit fast überall zu finden, so nimmt die Zahl jener Haustüren, vor denen sich noch Zeitungen befinden, langsam ab. Diese subjektive Beobachtung von mir (und vielleicht ja auch von Ihnen) lässt sich durch Statistiken belegen, denn die Statistik Austria hat hier die Zahlen der gedruckten und verkauften Auflagen der österreichischen Tageszeitungen von 2003 bis 2013 aufgelistet und diese zeigen eine stetige Abnahme bei beiden Zahlen. (Ein nettes Detail am Rand: man beachte die teilweise doch recht deutlichen Unterschiede bei den Zahlen zwischen gedruckter Auflage und dann tatsächlich verkaufter Auflage - aber das ist ein ganz anderes Thema).

Web statt Papier:

Es scheint also tatsächlich so zu sein, dass die Zahl der gedruckten und vor allem jene der verkauften Exemplare von Tageszeitungen stetig abnimmt. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass sich die Menschheit ausgerechnet im Informationszeitalter nicht mehr informieren will, sondern nur, dass gedruckte Tageszeitungen offenbar durch andere Formen der Informationsgewinnung abgelöst werden. Immer mehr Menschen erhalten ihre Informationen mittlerweile nämlich wohl über das Internet und so ist es dann nicht verwunderlich, wenn immer mehr Tageszeitungen auch im Internet mit eigenen Seiten vertreten sind. Dies kann man hier aus den Statistiken der ÖWA (Österreichischen Webanalyse) erkennen, anhand derer man die zunehmende Bedeutung der Internetauftritte von Tageszeitungen und anderen Informationsanbietern ablesen kann.

Die Webauftritte:

Immer mehr Menschen nutzen also offenbar die Webauftritte von einem oder mehreren Anbietern um sich zu informieren. Diese sind oft aktueller und meist zumindest in Basisversionen oder mit kleineren Einschränkungen kostenlos. Allerdings geht die Entwicklung immer mehr in eine Richtung, dass für die Nutzung der Seiten entweder bezahlt werden soll da die Seiten sonst nur eingeschränkt nutzbar sind (3 Artikel am Tag und dergleichen) oder der_die Nutzer_in mehr oder weniger aufdringliche Werbung erhält.

Die Zukunft?

Dennoch scheint der Trend unaufhaltsam in die Richtung zu gehen, sich Informationen von mehreren Plattformen per Internet zu beschaffen. Gemeinsam mit dem Trend in Richtung Tablets und Smartphones, die es einem ermöglichen immer und überall schnell auf die entsprechenden Seiten zuzugreifen, ergibt sich dann allerdings oft ein neues Problem: Wie soll man bei der Menge an interessanten Seiten den Überblick behalten und vor allem, wie soll man überhaupt jene Seiten finden, die einen interessieren würden?

Die Übersicht behalten:

Wenn man online verschiedene Zeitungen lesen will, gibt es Lösungen in Form von Apps, die einem etwa den Umgang mit den unterschiedlichsten Zeitungen erleichtern sollen. Manchmal handelt es sich dabei allerdings um nicht mehr als Linklisten, aber auch dies kann sehr wertvoll sein, vor allem wenn man eben nicht genau weiß, wo man suchen soll. Ein paar dieser Zeitungsapps für österreichische Zeitungen habe ich im Anschluss aufgelistet. Und dann gibt es natürlich noch die eigenen Apps der einzelnen Zeitungen, die ich allerdings nicht mehr zusammengestellt habe, denn diese werden ohnehin auf den Webseiten der jeweiligen Zeitungen angepriesen und sind somit leicht zu finden.

Androidapps für österreichische Zeitungen:

Fazit:

Ganz werden gedruckte Zeitungen wohl nicht verschwinden, aber sie werden wohl auch in Zukunft noch einige Leser_innen an die jeweiligen Onlineausgaben verlieren. Wie lange die Inhalte auf diesen jedoch noch kostenlos und höchstens kleineren Einschränkungen unterworfen sein werden, bleibt abzuwarten. Über kurz oder lang werden die Zeitungsverlage über diese Schiene wohl genauso Geld verdienen müssen, v.a. dann, wenn der Verkauf der gedruckten Exemplare weiter so sinkt wie in den letzten Jahren. Erste Tendenzen sind schon zu erkennen - Zeitungsverlage machen mobil gegen Werbungsblocker oder setzen tägliche Limits für das Lesen von Artikeln ein und versuchen zusehends digitale Abonnements an die Kunden zu bringen. Noch kann man aber die meisten Zeitungen online kostenlos genießen und mit der richtigen App ist das auch noch recht komfortabel.

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Datum: Do. 16.04.2015