Das Problem mit dem Weltraumschrott

RedakteurIn: Gerald Perfler
[ Bildrechte anzeigen ]

Seit die Menschheit begonnen hat, den Weltraum zu erobern, wurden unzählige Objekte in den Weltraum geschossen. Satelliten und Raketen, die Mensch und Material in den Orbit befördert haben, wurden unter hohem technischen und finanziellen Aufwand in den Weltraum befördert, aber um eines hat man sich keine Sorgen gemacht. Die Frage, was mit den Satelliten und abgebrannten Raketenstufen passieren sollte, wenn sie ihre Schuldigkeit getan haben, hat sich einfach nicht gestellt. Denn Platz ist im Weltraum ja ausreichend vorhanden, sodass man glaubte, sich über diese Frage keine Gedanken machen zu müssen. Dem ist aber leider nicht so.

Das Problem

Es gibt im Weltraum zwar ausreichend Platz, aber das Problem mit dem Weltraumschrott ist dennoch nicht zu verachten. Schätzungen gehen davon aus, dass zur Zeit mehrere Hunderttausende Objekte in diversen Größenordnungen unsere Erde umkreisen. Da ist von millimetergroßen Lackstücken über Schrauben bis hin zu ausgedienten Satelliten und abgebrannten Raketenstufen alles dabei. Diese Obejkte umkreisen die Erde mit einer Geschwindigkeit von ca. 40.000 km/h ab einer Höhe von 400 km. Neben der Größe der Objekte ist es vor allem die hohe Geschwindigkeit derselben, die für andere noch funktionierende Weltraumobjekte (Satelliten, die Raumstation ISS und dergleichen) eine große Gefahr darstellen.

Die Gefahren

Wenn etwa ein Teilchen mit einem Durchmesser von 1 cm auf einen Satelliten trifft, dann ist das ungefähr so, als wenn an der Aufprallstelle eine Handgranate explodieren würde. Mit zunehmender Grösse bzw. Masse wird der Schaden dann entsprechend größer. Eine lose herumfliegende Schraube kann also einen ziemlich verheerenden Schaden anrichten, weshalb neben den Satelliten natürlich vor allem auch die Besatzung der ISS stetig davon bedroht ist, dass ein Treffer die Raumstation unbenützbar macht. Wer jetzt aber glaubt, dass ob der schieren Größe des Weltalls ein Treffer ohnehin nahezu unmöglich ist, muss leider enttäuscht werden. Denn der Weltraumschrott verteilt sich nicht gleichmäßig im Orbit, sondern er verteilt sich auf bestimmten Bahnen rund um die Erde. 73 % der Objekte, die 40 % der Gesamtmasse des Weltraumschrotts ausmachen (also vornehmlich kleinere Teile), sollen sich nämlich im erdnahen Orbit (v.a. in der Höhe von 800 km) und somit exakt in jenem Bereich befinden, der auch von Satelliten genutzt wird. Eine weitere Anhäufung von Weltraumschrott gibt es im geostationären Orbit in einer Höhe von 36.000 km. Hier findet man ca. 8 % der Teilchen mit 33% der Gesamtmasse (also vornehmlich größere Teile).

Lösungsansätze

Mittlerweile ist man sich international des Problems bewusst, aber wie auch beim Thema Klimaerwärmung ist es schwierig eine gemeinsame Strategie auszuarbeiten. Aber welche Möglichkeiten hätte man denn überhaupt? Die naheliegendste und effektivste Massnahme um zumindest zu verhindern, dass nicht noch mehr Schrott herumfliegt, wäre dafür zu sorgen, dass er erst gar nicht entsteht. Zu diesem Zweck sollen Satelliten, wenn sie ausgedient haben, mit ihrer Restenergie Richtung Erde gesteuert werden, um dann in der Atmosphäre über dem Pazifik zu verglühen. Das würde zumindest verhindern, dass nicht noch mehr unnötiger Weltraumschrott herumfliegt. Aber gibt es auch eine Möglichkeit bereits bestehenden Schrott wieder einzusammeln? Da gibt es noch einige technische Hürden zu meistern. Im Moment am aussichtsreichsten dürfte das Entfernen von großen Teilen, wie etwa ganzer Satelliten sein. Diese könnten etwa mithlfe eines Netzes eingefangen und dann in Richtung Erdatmosphäre gezogen werden, wo sie dann verglühen. Das Herbeiführen einer Kollision um Satelliten überhaupt weit in das Weltall zu katapultieren ist aufgrund der Gefahr, dass dabei unzählige neu herumfliegende Kleinteile erzeugt werden könnten, zu riskant. Und wie sieht es mit den kleinen Teilchen aus? Da gibt es kaum Konzepte - kleine Teile, die mit 40.000 km/h durch die Gegend fliegen sind nun einmal schwer zu kontrollieren.

Fazit

Solange es keine ausgereiften Möglichkeiten gibt, den Weltraumschrott zu entsorgen, wird man wohl nur dafür sorgen können, dass nicht noch mehr davon entsteht, und die herumfliegenden Teile bestmöglich überwachen. Dies geschieht auch, sodass man die ISS bereits mehrmals durch eine Kursänderung vor einer Kollision mit größeren Teilen retten konnte. Aber die vielen kleinen Teile, lassen sich leider nicht überwachen und könnnen dennoch große Schäden etwa an Sonnensegeln anrichten. Es bleibt also nur zu hoffen, dass nichts Gröberes passiert bis die Menschheit eine Lösung findet, auch im Weltall den selbstgemachten Müll zu entsorgen. Zumindest das Bewusstsein für das Problem ist aber bereits da, gibt es doch schon Konferenzen, die sich mit dem Problem beschäftigen. Aber die gäbe es für die Klimaveränderungen ja auch schon seit vielen Jahren...

 

Redaktionsbereiche
Datum: Do. 23.05.2019