75. Todestag der Geschwister Scholl (22.2.1943)

RedakteurIn: Gerald Perfler
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Zahlreiche Schulen tragen einen Bezug zu den Geschwistern Scholl in ihrem Namen. Aber wer waren diese Geschwister Scholl? Warum werden sie von Schulen gerne als Namensgeber herangezogen? Nachdem sich 2018 der Todestag der Geschwister Scholl zum 75. Mal jährt, kann es nicht Schaden einen kurzen Überblick über ihr Leben zu geben und auch die Frage zu lösen, warum die Geschwister Scholl für Schulen so interessant sind, dass sie sogar in deren Namen geführt werden.

Die Familie Scholl

Bevor man sich mit der Kindheit der Gesschwister Scholl beschäftigt, muss vor allem einmal geklärt werden, um wen es sich dabei handelt. Es sind dies mit Sophie und Hans Scholl nämlich streng genommen nur 2 der eigentlich 6 Geschwister gemeint. Die Geschwister Scholl, das waren Inge (1917-1998), Hans (1918-1943), Elisabeth (geboren 1920), Sophie (1921-1943), Werner (1922-1944) und Thilde (1925-1926). Die Eltern Robert Scholl, ein Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und vor allem liberaler Politiker, und Magdalena Scholl (frühere Müller), eine ehemalige Diakonissin und Krankenschwester, legten viel Wert darauf, ihren Kindern christliche und liberale Werte zu vermitteln. Um so mehr missfiel es den Eltern, als sich die Kinder mit den Ideen des Nationalsozialismus anfreundeten und in die entsprechenden Jugendorganisationen eintraten.

Hans Scholl

Hans Scholl trat im Oktober 1933 in das Ulmer Jungvolk ein, welches von Max von Neubeck aufgebaut worden war. Von Neubeck war einst Mitglied der Deutschen Jungenschaft vom 1. November 1929, weshalb das Ulmer Jungvolk anfänglich anders auftrat und teilweise anderes Gedankengut pflegte, als es bei üblichen Jungvölkern der Fall war. Mit der Zeit begann Von Neubeck jedoch damit, das Ulmer Jungvolk immer mehr an den nationalsozialistischen Standard anzugleichen, was zum Bruch mit Hans Scholl führte. Hans Scholl wandte sich nach dem Reichsparteitag der Ehre von 1936 vom Nationalsozialismus ab und führte einen kleineren Trupp gemäß den Idealen der Deutschen Jungenschaft vom 1. November 1929, ehe er 1937 für kurze Zeit aufgrund von Vorwürfen homosexueller Handlungen und Fortsetzung einer bündischen Jugend kurz inhaftiert wurde, aber bereits 1938 amnestiert wurde. Nach seinem Abitur leistete Hans seinen Reichsarbeitsdienst, ehe er zur Leistung seines Wehrdienstes ins Kavallerie-Regiment 18 eingezogen wurde. Im Anschluss daran begann er ab Frühjahr 1939 mit dem Medizinstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ein Kriegseinsatz als Sanitäter im Frankreichfeldzug in den Semesterferien führten dazu, dass Hans Scholl aktiv bei der Gründung der Widerstandsgruppe "Die weisse Rose" tätig wurde, da er von dem was er dort erlebt und gehört hatte zutiefst betroffen war.

Sophie Scholl

Sophie Scholl war anfangs ebenso fasziniert von der nationsalsozialistischen Bewegung, weshalb sie in den Bund Deutscher Mädel eintrat. Die anfängliche Begeisterung ebbte aber auch bei ihr ab und so trat sie 1936 wie ihr Bruder Hans der Deutschen Jungenschaft vom 1. November 1929 bei. 1937 wurde sie ebenso wie ihr Bruder kurz inhaftiert, da dieser ja wegen Fortsetzung einer bündischen Jugend angeklagt war. Um dem Reichsarbeitsdienst zu entgehen, begann Sophie Scholl im Mai 1940 eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Der Plan ging schief und sie wurde trotzdem zum Kriegshilfsdienst herangezogen. In dieser Zeit verstärkte sich ihre kritische Einstellung gegenüber dem Nationalsozialismus und als sie dann im Juni 1942 in München mit dem Biologie- und Philosophiestudium begann, kam sie durch ihren Bruder auch immer mehr in Kontakt mit anderen Studenten, die gegenüber dem Nationalsozialismus ebenso kritisch eingestellt waren. Ihr Bruder Hans versuchte zwar, sie von der Widerstandsbewegung "DIe weisse Rose" fernzuhalten, was aber letztendlich scheiterte. Und so schloss sich auch Sophie Scholl aktiv der Widerstandsbewegung an.

Die Weiße Rose

Die Widerstandsgruppe der Weißen Rose entstand in München aus der Tradition der bündischen Jugend heraus und sie berief sich vor allem auf christliche und humanistische Werte. Hans Scholl war an der Gründung der Gruppe beteiligt, die ab Juni 1942 tätig wurde. Sophie Scholl kam etwas später dazu. Die Weiße Rose verfasste und verteilte insgesamt 6 Flugblätter, die hauptsächlich in Süddeutschland verteilt wurden, und in denen die Verbrechen des Nationalsozialismus thematisiert wurden und zum Widerstand aufgerufen wurde. Am 18.2.1943 wurden Hans und Sophie Scholl bei der Verteilung von Flugblättern in der Münchner Universität von der Gestapo verhaftet. Es folgten stundenlange Verhöre und ein Gerichtsverfahren am Volksgerichtshof. das in einer Verurteilung zum Tod durch das Fallbeil wegen Wehrkraftzersetzung, Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat endete. Dieses Urteil wurde sogleich am 22.2.1943 vollzogen. Neben den Geschwistern Scholl wurde auch Christoph Probst, dessen Name sich auf einem Entwurf für ein Flugblatt, den Hans Scholl bei sich trug, fand, zum Tod verurteilt. In einem zweiten Prozess vom 19.4.1943 wurden noch weitere Personen, die der Weißen Rose angehört hatten und ausgeforscht werden konnten, zum Tode bzw. zu unterschiedlich langen Haftstrafen verurteilt.

Namensgeber

Viele deutsche Städte haben nach Ende des 2. Weltkriegs im Gedenken an den geleistetet Widerstand Plätze oder Straßen nach den Geschwistern Scholl benannt. Und auch einige Schulen führen die Namen der Geschwister Scholl in ihrer Bezeichnung, was vielleicht auch der Tatsache geschuldet ist, dass die Weiße Rose in einem universitären Umfeld entstanden ist und es sich bei den Geschwistern Scholl um junge Studierende gehandelt hat. Diese jungen Studierenden haben in einer Zeit, in der dies buchstäblich lebensgefährlich war, versucht, die Bevölkerung aufzurütteln und ein Zeichen zu setzen. Und letztendlich haben sie dafür auch mit dem Tod bezahlt.

 

P.S.: Bei Hans Scholl hätte sich noch ein weiterer Jahrestag angeboten, der wesentlich erfreulicher gewesen wäre: am 22.9.2018 würde sich zum 100. Mal sein Geburtstag jähren.

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Datum: Mo. 19.02.2018